Athene noctua
Steinkauz
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Eulen (Strigiformes)
Familie: Eigentliche Eulen (Strigidae)
Gattung: Steinkäuze (Athene)
Art: Steinkauz (Athene noctua)
Gefährdung: stark gefährdet
Lebensraum: bevorzugt offenes, reich strukturiertes Gelände mit einer ganzjährig niedrigen Vegetation
Nahrung: Kleinsäuger, Insekten, Vögel, Amphibien, Reptilien, Würmer und Schnecken
Größe: ca. 20 bis 27 cm
Gewicht: ca. 150 bis 250 g
Lebenserwartung: bis zu 18 Jahren
Aussehen: Steinkäuze verfügen über einen nur schwach ausgeprägten Gesichtsschleier, der nach oben hin durch weißliche Überaugenstreifen begrenzt ist. Durch ihr lockeres Gefieder wirken die etwa Singdrosselgroßen Vögel größer als sie in Wirklichkeit sind. Durch die fehlenden Federohren und die niedrige Stirn wirken Steinkäuze zudem flachköpfig.
Die Augen von Steinkäuzen sind zitronen- bis schwefelgelb. Die dunkel sepiabraune Körperoberseite weist weißlich rahmgelbe bzw. grauweiße Tropfenflecken und Querbinden auf, wobei die Fleckung auf dem Oberkopf besonders dicht, klein und streifenförmig und im vorderen Rückenbereich größer und rundlicher erscheint. Im Nacken hat der Steinkauz eine auffällige, weiße V-förmige Zeichnung, die mit einem weißen Nackenband zusammenläuft und als sogenanntes Occipitalgesicht dunklere Gefiederpartien umschließt. Auf den Handschwingen bilden rahmfarbene bis beigebraune Flecken fünf bis sechs Querbinden. Auf den Armschwingen sind meist zwei bis drei solcher Querbinden sichtbar. Auf den Armdecken variiert dagegen das Fleckenmuster individuell sehr stark. Die Unterflügeldecken sind hell und weisen eine graue bis schwärzliche Fleckung auf. Die Kehle ist weißlich und von der Brust durch ein beige- oder rostbraunes Halsband abgegrenzt. Die Körperunterseite ist gelblich weiß mit sepiabraunen, unregelmäßigen Längsstreifen. Insbesondere auf dem Brustgefieder sind diese Längsflecken sehr dicht und breit. Die Beine sind weißlich befiedert und die Zehen mit borstenartigen Federn besetzt.
Fortpflanzung: Männliche Steinkäuze patrouillieren zu Beginn der Fortpflanzungszeit, in Mitteleuropa von Februar bis Anfang April, verstärkt die Grenzen des Reviers. Folgt ein Weibchen den Kontaktrufen des Männchens sind gemeinsame Reviergesänge sowie wechselnd Lock-, Bettel- und Erregungslaute zu hören. Ein gegenseitiges Beknabbern und Kraulen, sowie gemeinsame Revierflüge, dienen der Festigung der Paarbindung.
Das Weibchen wird von dem Männchen in zunehmendem Maß mit Beutetieren versorgt. Auf diese Weise bildet sie ein Fettdepot, welches für die Eiproduktion und das anschließende Brutgeschäft benötigt wird. Diesem Verhalten folgt der Besuch möglicher Nistplätze und einer zunehmenden Anzahl von Begattungen. Die Eiablage ist vom Nahrungsangebot und der Witterung abhängig, fällt in Mittel- und Westeuropa aber meist in die letzte Aprildekade und umfasst für gewöhnlich drei bis fünf Eier. Der Legeabstand zwischen den einzelnen Eiern beträgt meist zwei Tage. Geht das erste Gelege frühzeitig verloren, können Steinkäuze meist ein zweites Gelege produzieren. Gelegentlich beginnt das Weibchen bereits nach der Ablage des ersten Eis zu brüten. Manche Weibchen nehmen das Brutgeschäft erst nach der Ablage des vorletzten oder letzten Eis auf. In der Regel beträgt die Brutdauer zwischen 22 und 30 Tagen. Abseits von seltenen Brutpausen wird das Weibchen in dieser Zeit vom Männchen mit Nahrung versorgt. Die Jungtiere (Küken) schlüpfen in Mitteleuropa gegen Ende Mai.
Während der ersten acht Lebenstage werden die Jungen intensiv, zwei Wochen alte Nestlinge dagegen nur noch während der mitternächtlichen Ruhepausen gehudert. Wie bei vielen Eulenarten werden auch bei Steinkäuze jüngere Nestlinge häufig von ihren älteren Geschwistern getötet. Mit 22 bis 24 Tagen verlassen Nestlinge die Nisthöhle und erkunden kletternd in die nähere Umgebung. Auch wenn sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht flügge sind, verringert das frühzeitige Verlassen der Nisthöhle die Gefahr, dass Beutegreifer sie in der Nisthöhle greifen können. Ab dem 30. bis 32. Lebenstag können Jungvögel kurze Strecken fliegen. Sie halten sich bis zu einem Lebensalter von 40 Tagen in der Nähe der Bruthöhle auf und werden von beiden Elternvögeln gefüttert. Der Familienverband löst sich auf, wenn die Jungvögel ein Alter von zwei bis drei Monaten erreicht haben.
Besonderheiten: Steinkäuze nutzen vom Vegetationstyp abhängige Jagdmethoden. Bei einem niedrigen Pflanzenbewuchs jagen Steinkäuze für gewöhnlich direkt vom Boden oder von einer niedrigen Ansitzwarte aus. Hierbei nähern sich die Vögel ihrer Beute zunächst mit einem kurzen Flug knapp über dem Boden, bevor sie in einem schnellen Lauf oder mit einigen Hüpfern verfolgt und zur Strecke gebracht wird. Ist die Vegetation hingegen so hoch gewachsen, dass ein ungehinderter Lauf auf dem Boden nicht möglich ist, nutzen Steinkäuze vermehrt die Ansitzjagd. Auch Rüttel- und Gleitflüge spielen dann eine größere Rolle.
Herkunft & Verbreitung: Neben einer begrenzten Region im Süden Äthiopiens sind Steinkauz transpaläarktisch verbreitet. Die Tiere kommen im gesamten Mittelmeerraum vor und besiedeln den Norden, Nordosten und Westen Afrikas sowie Teile der Arabischen Halbinsel, den Süden des Sudans und den Norden Somalias. In Asien verläuft die südliche Verbreitungsgrenze durch den Nordosten Pakistans.
Infolge einer gezielten Ansiedlung zwischen 1906 und 1910 sind Steinkäuze auf der gesamten neuseeländischen Südinsel verbreitet.
Nutzung: Steinkäuze wurden im 19. Jahrhundert gelegentlich als Ziervogel gehalten. In Italien setzte man kupierte Steinkäuze in Haus und Garten gegen Nagetiere und Insekten ein. Gängiger war die Verwendung bei der sogenannten Hüttenjagd, die in Deutschland vom 17. bis ins 20. Jahrhundert hinein praktiziert wurde.
In Neuseeland wurde mit der Ansiedlung dieser Art versucht den Bestand der eingeführten europäischen Singvögel zu regulieren. Dies erwies sich als Fehlschlag, da Singvögel am Beutespektrum des Steinkauzes nur einen geringen Anteil haben.
Lebensweise: Das Verhalten von Steinkäuzen ist stark an ihre Lebensweise als dämmerungs- und nachtaktiver Jäger angepasst. Steinkäuze verlassen ihr Tagesversteck kurz nach Sonnenuntergang und begeben sich auf die Suche nach Mäusen, Insekten und anderen kleinen Tieren. Seine Jagdtechniken umfassen sowohl das Ansitzen auf erhöhten Positionen als auch das gezielte Suchen am Boden.
Steinkäuze verbleiben oft das ganzjährig in ihrem Revier und nutzen wiederholt ein und denselben Brutplatz. Diese Treue zu einem bestimmten Gebiet ermöglicht es ihm, sich gut an seine Umgebung anzupassen und effizient nach Nahrung zu suchen. Während der Aufzucht seiner Jungen kann er auch tagsüber aktiv sein, um genügend Nahrung zu erbeuten.